Tipp zum Thema Energie:
"So sparen Sie viel Strom

VirtueMart Shopping


Zeige alle Produkte


Erweiterte Suche

VirtueMart Shopping Cart

VirtueMart
Ihr Warenkorb ist derzeit leer.



Press Review:
Hier finden Sie aktuelle Informationen aus der Medienwelt!

Ethisches Leben
Fair Trade Handel
Grünes Geld
Lifestyle und Lohas
Nachhaltigkeit
Passivhäuser

Interview Geomar Institut Kiel - Dr. Rainer Froese PDF Drucken E-Mail

Tiefseefischerei und die Folgen


Fragen an den Meeresforscher Rainer Froese vom GEOMAR - Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel:

Ethikkooperation:  Durch den industriellen Fischfang mit Schleppnetzen wurden weltweit in fast allen wichtigen Revieren die Bestände vermindert. Deshalb wird für die Fischereiindustrie die Tiefsee immer interessanter. Welche Bedingungen herrschen dort vor?


Dr. Rainer Froese: Die Tiefsee ist kalt und dunkel. Wegen der Kälte haben die Tiere einen langsamen Stoffwechsel. Aufgrund der Dunkelheit wachsen keine Algen, Futter kommt also nur als „Regen“ von oben. Futtermangel führt ebenfalls zu langsamen Wachstum und später Geschlechtsreife.

Ethikkooperation:  Weshalb ist aufgrund dieser Bedingungen kein nachhaltiger, also dauerhaft rentabler Fischfang möglich?

Dr. Rainer Froese: Wegen des langsamen Körperwachstums und der späten Geschlechtsreife haben Bestände von Tiefseetieren nur ein sehr geringes Populationswachstum und nur sehr geringe Widerstandsfähigkeit gegen Ausbeutung. Man könnte nur weniger als 5% der Bestandsgröße nachhaltig entnehmen, aber die Bestandsgröße kennen wir gar nicht.

Ethikkooperation:  Die Tiefsee macht zwar den weitaus größten Teil der Ozeane aus, ist aber nach wie vor eine wenig erforschte Sphäre, rätselhafter als der Mond. Welche Artenvielfalt vermutet man in der Tiefsee, und welche Gefahren drohen ihr durch wirtschaftliche Ausbeutung?

Dr. Rainer Froese: Es waren weniger Menschen in der Tiefsee als auf dem Mond. Fast bei jedem Besuch werden neue, skurrile Arten oder Lebensräume entdeckt, wie etwa der Fisch mit der transparenten Schädeldecke oder die Schwarzen Raucher.

Ethikkooperation:  Inwiefern richten rein ertragsorientierte, großdimensionierte und High-Tech-Fangmethoden in der Tiefsee besonders gravierende Schäden an?

Dr. Rainer Froese: In der Tiefsee werden sehr schwere Fanggeräte eingesetzt, unter anderem, damit sie schneller in die großen Tiefen sinken. Diese Grundschleppnetze zerstören alles, was auf ihrem Weg gelebt hat. Das können z.B. 1000 Jahre alte Tiefwasserkorallen sein. In einer Minute wird blind zerstört, was noch weitgehend unerforscht ist und was in den nächsten Jahrhunderten nicht mehr nachwachsen wird.

Ethikkooperation:  Welche bereits bekannten Fischarten der Tiefsee stehen im Fokus der Fischereiwirtschaft und sollen auf unseren Tellern oder wo auch immer landen?

Dr. Rainer Froese: In Deutschland sieht man in Kantinen öfter den Hoki aus Neuseeland, der in etwa 1500 m Tiefe lebt. Der Granatbarsch oder Kaiserbarsch heißt eigentlich Schleimkopf, war aber mit dem Namen nicht zu vermarkten. Er lebt in 1800 m Tiefe und kann bis zu 150 Jahre alt werden. Es gibt auch noch den Schwarzen Degenfisch, ebenfalls aus 1500 m Tiefe. Der Ölfisch (wegen seines öligen Fleisches) wird als Butterfisch vermarktet. Es gibt noch eine Reihe weiterer Arten, viele ohne deutsche Namen.

Ethikkooperation:  Welche Alternativen zur Tiefseefischerei schlagen Sie und Ihre Kollegen vor?

Dr. Rainer Froese: Es gibt eine neue Studie von Kollegen aus Kanada, die eine komplette Schließung der Hochsee- und Tiefseefischerei vorschlägt. Die Fänge in diesen Gebieten tragen kaum zur Welternährung bei, und eine Schließung könnte die küstennahen Fänge bestimmter Arten bis zu 40% erhöhen. Fischerei in der Hochsee und Tiefsee, dem gemeinsamen Erbe der Menschheit, wird hauptsächlich von nur 10 Nationen betrieben, die anderen Länder gehen leer aus. Es könnte sich bei den Vereinten Nationen also durchaus eine Mehrheit für diesen Vorschlag finden lassen.


Das Interview wurde geführt mit Dr. rer. nat. Rainer Froese
Wissenschaftler,   Forschungsbereich 3: Marine Ökologie
FE Evolutionsökologie Mariner Fische

GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
Wischhofstr. 1-3
24148 Kiel

Info:
http://www.geomar.de 

 

Interessantes

Kontakte - Energie

Immobilie für ausgewählte ökologische Zwecke

Ausgewählte Immobilien
für ökologische Zwecke

Veranstaltungskalender