Stiftung Warentest: Schlechte Noten für Bio-RapsölBewertung des Geschmachsergebnises von nur einem Panel im Test. Keine Schadstoffe oder Bestandteile von genmanipuliertem Raps.
Ernährungsexperten sind sich einig: Rapsöl gilt neben Olivenöl als eines der gesündesten Speiseöle für die menschliche Ernährung. Doch nicht jedes der im Handel angebotenen Rapsöle ist auch gut: Die Stiftung Warentest hat 26 Rapsöle einer eingehenden Prüfung unterzogen und kam zu einem eher ernüchternden Ergebnis: Ein gutes Drittel der Öle erhielt die Testnote “mangelhaft”, und auch die Bioöle kamen nicht besser weg.
Aus ernährungstechnischer Sicht erhält Rapsöl gute Noten. Es gibt einfach kein gesünderes Öl, sagt auch die Stiftung Warentest. Rapsöl hat einen sehr hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren und enthält im Umkehrschluss nur wenig gesättigte Fettsäuren. Zudem ist der das Verhältnis von Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren optimal für eine gesundheitlich positive Wirkung. In dieser Hinsicht schneidet Rapsöl deutlich besser ab als beispielsweise Olivenöl. Ob es sich dabei um native, also kalt gepresste, oder bei hohen Temperaturen raffinierte Öle handelt, spielt keine Rolle. Gesundheitlich sind beide Sorten gleich gut. Der Geschmack unterscheidet sich aber erheblich. Während raffiniertes Rapsöl keinen Eigengeschmack hat, besitzt natives Rapsöl hingegen ein deutlich saatiges und nussiges Aroma - im Idealfall jedenfalls. In der Realität sind die angebotenen nativen Rapsöle laut Stiftung Warentest allerdings nicht immer ein Genuss.
Von den 16 untersuchten nativen Rapsölen fiel mehr als die Hälfte durch einen schlechten Geschmack auf und wurden wegen sensorischer Fehler mit „mangelhaft“ beurteilt. Von “ranzig” über “modrig” bis hin zu “verbrannt” waren alle unerwünschten Geschmacksnoten vertreten. Die Abweichungen waren so groß, dass diese Rapsöle nach Ansicht der Warentester so nicht verkauft werden dürften. Da viele Bio-Öle als native Öle in den Handel kommen, waren sie mit neun Produkten bei dieser Untersuchung stark vertreten. Doch kein Bio-Rapsöl war besser als „befriedigend“, sieben waren sogar „mangelhaft“.
„Befriedigend“ waren Rewe Bio Rapsöl kaltgepresst und Teutoburger Ölmühle kaltgepresstes Rapsöl Organic. Mit „mangelhaft“ wurden beurteilt: Alnatura, Bio Planète, Edeka/Bio Wertkost, Fauser Vitaquell, Kaiser’s Tengelmann/Naturkind, Plus/BioBio (alle nativ und kalt gepresst) und Rapunzel Rapsöl nativ. Bei ihnen allen bemängelte die Stiftung „starke sensorische Fehler“.
Die Hersteller der getesteten Bio-Rapsöle wollen sich mit diesem Urteil nicht abfinden. Für Dr. Michael Raß, Geschäftsführer und Mitgründer der Teutoburger Ölmühle sind die Bewertungen nicht nachvollziehbar: „Wir werden die Stiftung Warentest mit unseren Analysewerten konfrontieren und sie zu einer Neubewertung auffordern“, erklärt Raß. Es dränge sich die Frage auf, warum bei einem so schwierigen Thema wie der subjektiven Beurteilung von Geschmack nur von einem Panel getestet wurde und nicht – wie bei Olivenölen üblich – ein zweites Panel zur Kontrolle hinzugezogen wurde.
Auch Rapunzel hat Zweifel an den Untersuchungsmethoden der Stiftung Warentest: „Wir haben das Rapsöl erneut mit einem sensorisch geschulten Panel geprüft und eine einwandfreie geschmackliche Qualität des Öls festgestellt. Der Großteil der nativen Bio-Rapsöle wurde in diesem Test sensorisch stark abgewertet. Dies vermittelt den Eindruck, dass der Bewertung von Stiftung Warentest Standards zugrunde liegen, die für native Bio-Rapsöle ungünstig sind.“ Bio Planète und Alnatura lehnen es ebenfalls ab, ihre Rapsöle als „nicht verkehrsfähig“ zu bezeichnen: „Native Öle sind dafür bekannt ihren Eigengeschmack - als sensorische Bereicherung – in das Öl mit einzubringen. Bei unseren Rückstellmustern konnten wir keinen derart fehlerhaften Geschmack feststellen“, erklärt ein Sprecher von Bio Planète.
Trotz des relativ schlechten Abschneidens der von Stiftung Warentest untersuchten Bio-Rapsöle hat der Test aber auch einen Lichtblick. Die gute Nachricht für Verbraucher ist: Keines der Öle war mit Schadstoffen belastet. Und die Tester fanden auch keine Hinweise, dass gentechnisch veränderter Raps verarbeitet wurde.
|