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| Interview am 03. August 2009 mit Prof. Faltin |
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ETHIKKOOPERATION im Gespräch mit dem Gründer der Teekampagne Prof. Günter FaltinAm 30. Juni 2009 wurde Prof. Günter Faltin, stellvertretend für die Teekampagne, der Sonderpreis des Deutschen Gründerpreises 2009 verliehen. Der Professor für Volkswirtschaft gründete1985 das Unternehmen Projektwerkstatt GmbH in Potsdam und entwickelte den Versandhandel für Darjeeling-Tee „Teekampagne”. Die Jury entschied sich für das Projekt um Prof. Faltin als ein Beispiel für den gelungenen Transfer von der Wissenschaft in die Praxis. Fragen an Prof. Günter Faltin zur „Teekampagne“
Wie kamen Sie auf die Geschäftsidee, Tee zu verkaufen? Auf meinen Reisen in Entwicklungsländer war mir aufgefallen, dass Produkte wie Kaffee, Bananen, Zucker, Tee bei uns ungefähr zehnmal mehr kosten als dort. Was macht die Produkte bei uns derart teuer? Und warum war gerade Tee in Deutschland exorbitant teuer? Lag es an den Frachtkosten, der Versicherung oder etwa den hohen Gewinnspannen der Kaufleute? Nach eingehender Recherche stellte sich heraus: Teuer machen den Tee nicht etwa diese Kosten, sondern die zahlreichen Stufen des Zwischenhandels und die handelsüblichen Kleinpackungen. Das Motto der TEEKAMPAGNE ist eine Lebensweisheit: „In der Einfachheit liegt die höchste Vollendung.“ Was ist, ganz kurz gesagt, das Einfache an der TEEKAMPAGNE? Es ist die Beschränkung auf nur eine einzige Teesorte – damit werden die Einkaufsmengen groß genug, um den Zwischenhandel auszuschalten – und die Beschränkung auf Großpackungen. Das spart viele Transportwege und Verpackungsmaterialien. Diese Form des Handels ist eine ökonomisch und ökologisch vernünftige Alternative zum konventionellen Teehandel. Günstige Preise und höchste Qualität gelten ökonomisch als unvereinbar. Welche Denkbarrieren und Vorurteile muss man als Geschäftsmann überwinden, damit beides möglich wird? Wenn man so viele Kosten einspart wie die Teekampagne, kann man sich den Luxus leisten, an beiden Stellen etwas Außergewöhnliches zu bieten: Beim Preis und bei der Qualität. Wir denken viel zu oft in den vorfindbaren Konventionen, statt konsequent von den Funktionen auszugehen. Die Funktion heißt: Wie bringe ich Tee vom Plantagentor kostensparend zum Endkunden? Die Konvention heißt: Exporteur, Importeur, Großhändler, Einzelhändler. Betrachten Sie die TEEKAMPAGNE als Modell für andere Kampagnen? Und wenn ja: Inwieweit ist es übertragbar? Das der Teekampagne inhärente Prinzip „Funktion statt Konvention“ ist sehr brauchbar, wenn es um die Entwicklung neuer Ideenkonzepte geht, weil es radikal und respektlos in der Sache Konventionen infrage stellt. Mir ging es nie um Tee. Ich will zeigen, dass fast jeder Mensch in der Lage ist, von seinem Alltagswissen ausgehend ein unternehmerisches Konzept zu entwickeln, etwa indem er einfache, bekannte Prinzipien auf ein neues Gebiet überträgt. In meinem Umfeld sind inzwischen eine ganze Reihe neuer Unternehmen entstanden, die auf einem Ideenkonzept aufbauen. Sie starteten mit einfachen, aber durchdachten, ausgearbeiteten Ideen, die nur relativ geringe eigene Mittel erfordern. Mit selbst finanzierten Entwicklungsprojekten sorgt die TEEKAMPAGNE für die Nachhaltigkeit ihres Spitzenprodukts. Sind ökologische und soziale Nachhaltigkeit auch ein Gebot ökonomischer Vernunft? “Tuning in with society’s values” wird beinahe schon zur Notwendigkeit. Mit Gleichgültigkeit gegenüber ökologischen oder sozialen Problemen gewinnt man nicht das Vertrauen der Kunden, sondern ruiniert langfristig den Goodwill seines Unternehmens. Gründer müssen heutzutage ein viel größeres Maß an Verantwortlichkeit mitbringen, und dazu braucht es nicht gleich hohe moralische Beweggründe, sondern eigentlich nur den Wunsch nach Überleben und Erfolg. Welche Einstellung erwarten Sie von einem mündigen und zukunftsfähigen Konsumenten? Dass er nicht den Sprüchen der Marken und ihrer Werbeagenturen folgt, seien sie noch so eingängig und witzig. Sondern sich ein unabhängiges Urteil bildet und dazu die heute guten Möglichkeiten der Produktinformationen nutzt – also Vergleiche anstellt, Transparenz und Rückverfolgbarkeit fordert, Inhaltsstoffe studiert. Und im Zweifel nach dem Vorbild der Teekampagne ein eigenes kleines Unternehmen in die Welt setzt. |
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