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Bayerische Bauern wehren sich gegen Gen-Mais


Seit die Anbaufläche von Gen-Mais in der Gemeinde Fraunberg zurückgezogen wurde ist der Landkreis Erding gentechnikfrei! Die Initiative „Gentechnikfreier Landkreis Erding“ und TAGWERK setzen sich entschieden dafür ein und sind gegen jede auch noch so kleine Anbaufläche. Selbst  bei einer 0,2 Hektar kleinen mit Gen-Mais bebauten Fläche wäre das Kontaminationsrisiko nicht berechenbar. Gen-Mais im kommerziellen Anbau gab es im Landkreis Erding noch nie.
Um über die Risiken der Grünen Gentechnik aufzuklären hat die Initiative „Gentechnikfreier Landkreis Erding“ und TAGWERK dazu eine ausführliche Homepage entwickelt. Das Team ethikkooperation unterstützt ihre Forderungen.

Was ist Gentechnik?


Entgegen vielfacher verharmlosender Bekundungen unterscheiden sich herkömmliche Züchtung und Gentechnik grundlegend. So definiert das Gentechnikgesetz einen gentechnisch veränderten Organismus“ als „einen Organismus, dessen genetisches Material in einer Weise verändert worden ist, wie sie unter natürlichen Bedingungen durch Kreuzen oder natürliche Rekombination nicht vorkommt.“ Im Gegensatz zur herkömmlichen Züchtung umfasst die Gentechnik die Neukombination von Erbanlagen auch über Artgrenzen hinweg. So ist es möglich, Gene vom Menschen auf den Fisch oder von Bakterien auf die Pflanze etc. zu übertragen. Im Gegensatz zur klassischen Züchtung wird dabei auch die Reihenfolge der Gene verändert. Das fremde Stück Erbgut wird irgendwo in das neue Erbgut eingefügt.

Viele Prozesse sind noch nicht verstanden. Das Einbringen von Genstücken in fremdes Erbgut ist bisher nicht steuerbar und vieles ist dem Zufall überlassen. Diese Wissenslücke hat erhebliche Konsequenzen: Denn je nach seiner Position in der Erbinformation kann ein und dasselbe Gen ganz unterschiedliche Wirkungen und Funktionen haben (Positionseffekt). Auch kann ein einziges Gen, entgegen dem zentralen Dogma der Gentechnik „ein Gen-ein Protein“ eine Vielzahl von Proteinen herstellen. Spitzenreiter darin ist ein Gen der Fruchtfliege, das über 38.000 verschiedene Proteine herstellen kann.

Bei der Manipulation am Erbgut werden dadurch fundamentale Steuerprozesse des Lebens verändert. Die Wahrscheinlichkeit, dass hier Fehler gemacht werden, ist sehr hoch. Die Folgen sind unabsehbar, nicht zu kontrollieren und unumkehrbar. Die Auswirkungen solcher Veränderung sind weder räumlich noch zeitlich zu ermessen. Zu wenig verstehen die Wissenschaftler noch von ökologischen und evolutionären Prozessen. Aber einmal in die Umwelt freigesetzt, entziehen sich lebende Organismen der Kontrolle. Im Gegensatz zu Chemikalien vermehren und bewegen sie sich. Im Fall einer Gefährdung kann nicht garantiert werden, dass eine Ausbreitung und Vermehrung verhindert werden kann. Es wird erwartet, dass Schädigungen selten direkt erkennbar sind. Erst nach Jahren der Freisetzung von GVO werden Schädigungen feststellbar sein. Eine Umkehrung ist dann nicht mehr möglich.

Es werden drei große Anwendungsbereiche der Gentechnik unterschieden:

Rote Gentechnik:
Die Anwendung der Gentechnik in der Medizin zur Entwicklung von diagnostischen und therapeutischen Verfahren und von Arzneimitteln.

Weiße Gentechnik:
Die Nutzung gentechnisch veränderter Mikroorganismen zur Herstellung von Enzymen oder Feinchemikalien für industrielle Zwecke, in der Mikrobiologie und der Umweltschutztechnik.

Grüne Gentechnik:
Nutzpflanzen werden gentechnisch verändert. Dabei werden zum Teil artfremde Gene in das Erbgut der Pflanzen eingebaut. Die genauen Folgen, die solche Erbgutveränderungen bewirken, sind größtenteils unerforscht und nicht abschätzbar, weder für die Natur noch für den Menschen. Während Rote und Weiße Gentechnik auf geschlossene Systeme beschränkt sind, sollen gentechnisch veränderte Pflanzen auf dem Acker, in der freien Natur freigesetzt werden. Pollenflug und Fremdbestäubung gen-technisch veränderter Pflanzen können jedoch nicht überwacht werden. Einmal freigesetzt ist die Grüne Gentechnik deshalb nicht mehr kontrollierbar oder rückholbar.

Die Risiken der Grünen Gentechnik

Risiken für Verbraucher:
 Es gibt keine Langzeitstudien über Risiken und Gefahrenpotential gentechnisch veränderter Nahrungs- und Futtermittel.

Erkenntnisse über negative Auswirkungen werden von den Gentechnikfirmen gezielt zurückgehal-ten: So hat z.B. Monsanto die Ergebnisse einer Studie über Fütterungsversuche mit dem Gen-Mais MON 863 an Ratten und Mäusen erst aufgrund eines Gerichtsbeschlusses des Verwaltungsgerichts Köln öffentlich gemacht. Die Studie hatte festgestellt, dass es in Folge der Fütterung mit Gen-Mais zu Veränderungen bei Blutbild und inneren Organen kam.

Über 95 % der Wissenschaftler, die an gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln arbeiten, sind Angestellte der wenigen Gentech-Firmen bzw. von deren Aufträgen abhängig.

 
Etwa 75% der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland und Europa lehnen Gentechnik in der Nahrung ab!


Die Wahlfreiheit der Verbraucherinnen und Verbraucher wird nur durch die Gentechnikfreie Region sichergestellt.


Antibiotika-Resistenzen nehmen zu.

 

Risiken für die Bauern:

Die Koexistenz von Gentech-Landwirtschaft mit der gentechnikfrei produzierenden Landwirtschaft ist nicht sichergestellt: Durch Vermischung der Produkte bei Ernte, Transport, Lagerung, Verarbeitung und Auskreuzungen in die freie Natur ist die gentechnikfreie Landwirtschaft massiv gefährdet.

Die vorgesehenen unzureichenden Abstandsgrenzen fördern die Kontamination: Die für das Gentechnikgesetz vorgesehenen Abstandsregelungen von 150 bzw. 300 Metern werden zwangsläufig zur Kontamination von (Kultur-) Pflanzen durch genmanipulierte führen (Windbestäubung und der Flugradius von Bienen können nicht durch Gesetze beeinflusst werden). Die Gentechnik ist nicht rückholbar.

Eine ökologische Wirtschaftsweise nach den Richtlinien der Bioverbände könnte nicht mehr ge-währleistet werden.

Durch die grüne Gentechnik droht ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden: So wurde z.B. die Reisernte von 2006 der US Farmer unverkäuflich, nachdem dieser mit Gen-Reis von Versuchsflächen verunreinigt wurde.

In Deutschland stellte im April 2007 das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel-sicherheit fest, dass aufgrund aktueller Untersuchungen von Bt-Mais MON 810 eine Gefahr für Umwelt und Gesundheit ausgeht. Doch die Gen-Mais-Flächen – fast ausschließlich in den neuen Bundesländern – dürfen weiter bestehen !?

Durch die Gentechnik droht den Bauern ein hoher Imageschaden – dagegen ist ihr Nutzen gering: 70% der Bundesbürger lehnen die grüne Gentechnik ab. Deshalb lehnt auch der Lebensmittel-Einzelhandel gentechnisch veränderte Produkte bislang ab. Können die deutschen Bauern keine gentechnikfreie Ware garantieren, so werden Verarbeiter und Handel ihre Ware möglicherweise dort herholen, wo es solche noch gibt, zum Beispiel in Österreich oder Polen.

Durch die Patentierung von Pflanzen oder Tieren entsteht ein Rechtsanspruch als alleiniger Nutzer dieser Organismen. Saatgut muss dann teuer erkauft und Nutzungsrechte von Tieren abgeführt werden.

Resistente Unkräuter nehmen zu: In den USA gibt es die ersten resistenten Unkräuter, die chemisch nur noch schwer zu bekämpfen sind. Dies führt unter anderem dazu, dass die Auswahl der Folgefrüchte erheblich eingeschränkt wird.

Steigender Einsatz chem. Pflanzenschutzmittel.

Der Verkehrswert von Flächen sinkt: In den USA sind die Landpreise für gentechnisch genutzte Flächen bereits um rund 20% gesunken.

Keine Versicherung der Welt versichert die Schäden der grünen Gentechnik bei Gesund-heitsproblemen von Nutztieren, Ansprüche der Nachbarn bei Auskreuzungen, Verunreinigung von Honig durch Genpollen u.v.a.m. Es soll immer und für alles der Landwirt haften!

Die grüne Gentechnik gefährdet den Frieden in den Dörfern: Da Koexistenz nicht möglich ist, fühlen sich die gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirte in ihrer Wahlfreiheit durch benachbarte Gen-Flächen bedroht.
 
Eine gentechnikfreie Fütterung ist (noch) möglich: Gentechnikfreies Soja gibt es in ausreichender Menge im Landhandel aus Brasilien.

Risiken für die Umwelt:

Gentechnisch veränderte Pflanzen kreuzen aus: Die Fremdgene gentechnisch veränderter Kulturpflanzen kreuzen auf Pflanzen der gleichen Art sowie verwandte Kultur- und Wildpflanzen aus. Es ist unberechenbar welche Auswirkungen dies auf unsere Pflanzen und Tiere in der freien Natur hat!

Artenvielfalt geht dramatisch zurück. Durch den Anbau von gentechnisch manipuliertem Saatgut gehen die Artenvielfalt und Populationen dramatisch zurück. In Südamerika z.B. bei Schmetterlingen über 50%, bei Bienen um ca. 40%. Argentinien, wo schon länger gentechnik-veränderte Pflanzen angebaut werden, kämpft mit einer Schadinsektenplage wie noch nie bekannt.

Die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. Berlin mahnt in einer Presseerklärung vom 10.07.2006 zu einem rationalen und wissenschaftlich fundierten Diskussionsverhalten. Sie be-fürchtet durch die grüne Gentechnik erhebliche negative Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt.

Weitere Infos unter: http://www.gentechnikfreie-anbauregion-erding.de und http://www.campact.de