200909_Weingut Rummel (ECOVIN) in Nussdorf Drucken

Bio-Weingut Rummel – glückliche, stressfreie Rebstöcke und der lange Weg zu krankheitsresistenten Weinreben


Das Bio-Weingut Rummel liegt in dem malerischen Ort Nußdorf, das mit seinen circa 1500 Einwohnern als Stadtteil zu Landau in Rheinland-Pfalz gehört. Es liegt auf einem Hügel, eingebettet von Weinbergen vor dem Gebirgszug der Haardt am Westrand der Rheinebene.
Erstmals erwähnt wurde Nußdorf 802 im „Codex Diplomaticus Fuldensis“, einem Urkundenbuch von Fulda, das die Gesellschaft zur Zeit der Karolinger in Fulda und Umgebung wieder spiegelt.


Nußdorf bei LandauZeugnis römischer Herrschaft liefert der Fund eines Viergötterstein, der als Basis einer Jupitersäule diente und auf die Existenz einer Römischen Villa Rustica verweist. Darauf abgebildet sind die Gottheiten Minerva, Juno, Jupiter und Herkules. Eingemauert ist der Stein an der protestantische Pfarrkirche (1280). Diese zeichnet sich aus durch einen gotischen Chor, einem barocken Schiff und einem klassizistischen Turm aus.

1508 fiel Nußdorf an die Reichsstadt Landau. Im 1600 Jahrhundert wurde Nußdorf ein Ort des Widerstandes. Hier brach am 23. April 1525 der Bauernaufstand aus, der sich zum Pfälzischen Bauernkrieg entwickelte, mit der Niederschlagung der Schlacht bei Pfeddersheim am 24. Juni 1525 endete und viele Opfer forderte. Das Bauernkriegshaus dient heute als Heimatmuseum.

Bauernkriegshaus und Heimatmuseum NußdorfNußdorf liegt in der Urlaubsregion Südliche Weinstrasse. Auf 500 ha pflanzen hier Winzer ihre Reben an. 1800 Sonnenstunden und ein mildes Klima mit einem fruchtbaren Boden lassen in dieser Region einen hochwertigen Wein entstehen. Auch Öl wurde in der Gemarkung gefunden. Es sind die Ölförderstellen des Landauer Ölfeldes.

Fährt man durch die engen Straßen von Nußdorf erkennt man schon an der Hausbegrünung das Weingut Rummel, das damit positiv auf sich aufmerksam macht. Das alte Wohnhaus wurde nach baubiologischen Gesichtspunkten umgebaut und zeigt sich von der Hofseite offen und freundlich. Große Fenster, offene Räume, Sonnenkollektoren auf dem Dach und überall Pflanzen. Ein alter Feigenbaum trägt reife Früchte, der Oleander blüht und selbst ein Zitronenbaum ist mit dicken und reifen Zitronen zu bestaunen. Eine kleines Idyll und eine Oase für Hofseite Bio-Weingut RummelMensch und Tier. Ein Hängebauchschwein grunzt zufrieden und macht sich nach einem kurzen Besuch auf einen Spaziergang durch die Weinberge. Zwei Hunde tollen herum.

Der Betrieb ist seit  400 Jahren im Besitz der Familie Rummel.  Der Name ist 2500 Jahre alt und keltischen Ursprungs. Die Familie entstammt aus einer alten Weinbaudynastie. Gelegentlich hat man aus dem Gemüseland eingeheiratet. Aber das war die Ausnahme.  Klaus Rummel ist ausgebildeter Winzermeister. Seine Ausbildung verläuft klassisch. Nach einer Lehre folgen 1984/85 zwei Semester Studium an der Fachschule in Neustadt mit Meisterprüfung. Die Zielplanung seiner Meisterarbeit lautet  Ökoanbau für seinen Betrieb.

1987 fing Rummel den Betrieb schrittweise an umzustellen. 1993 übernimmt er den Betrieb von seinem Vater und wird Mitglied bei ECOVIN dem Bundesverband ökologischer Weinbau. Hier fühlt er sich am besten betreut. Seit zwei Jahren arbeitet er biodynamisch.  Klaus Rummel wird oft bei Podiumsdiskussionen oder Fernsehsendungen eingeladen, um über seine Erfahrungen als Bio-Winzer und die Entwicklung der PIWIS (pilzwiderstandsfähige Rebsorten) zu berichten. Schon 1987 startet er mit der ersten Pflanzung pilzwiderstandsfähiger Sorten (Staufer). Das Weingut Rummel ist auch ein Demonstrationsbetrieb ökologischer Landbau. Rummel macht Fortbildung für nationale wie internationale Winzer die jedes Jahr als Besuchergruppen in seinen Betrieb kommen. 2009 sind es ungefähr 500. Sie kommen aus der  Ehepaar Susanne und Klaus RummelSchweiz, Österreich und Luxemburg. Im nächsten Jahr Frühjahr haben sich Gruppen aus Italien angemeldet.

Vor 23 Jahren hat Klaus Rummel mit dem Ökoweinbau angefangen. Ehefrau Susanne (Kunstpädagogin) die ebenfalls aus einem Weinbaubetrieb stammt, arbeitet und gestaltet mit. Gemeinsam haben sie drei Kinder:  Karl (16 J.), Rosa (14 J.) und Richard (12. J.).  Sie gehen noch zur Schule. Eine große Hilfe sind die Großeltern, Praktikanten, Auszubildende, zwei Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen – die Arbeit wird im Team bewältigt. Die beiden Hunde Polly und Flocke und das Schwein Tersites leben hier friedlich miteinander.

Sohn Karl beginnt nächstes Jahr mit der Weinbaulehre. Vielleicht wird er eines Tages den Betrieb übernehmen. „Es ist ein ganz angenehmer Beruf. Weinbau ist ein altes Bio-Weinberg Rummel mit frisch eingesäter BegrünnungKulturgut, eine alte Tradition. Wir leben alle vom Essen und Trinken. Ich wäre froh, wenn der Betrieb weiter geführt werden könnte. Wir haben die Nachhaltigkeit ständig vor Augen, wenn man etwas wachsam ist,“ erklärt Klaus Rummel. Er hält nichts von endloser Wachstums- und Ertragssteigerung, weder in der Wirtschaft noch in der Landwirtschaft: „Unsere Reben wachsen jedes Jahr gleich. Wir kennen natürlich schon Wachstum. Das geht im Frühjahr bei uns los, dann fangen die Blätter an zu wachsen, die Trauben blühen und werden immer größer, sie hören auf zu wachsen und gehen in die Reifungsphase über. Dann kommt die Zeit der Ernte und danach fallen die Blätter wieder ab. Das war es.“ Mit dem Rebschnitt bringt Klaus Rummel Qualität und Ertrag ins Gleichgewicht.

Klaus Rummel bewirtschaftet 12 ha Weinanbau, davon  60 % Rotweine und 40 % Weißwein. Darunter  befindet sich das Spektrum klassischer Rebsorten wie zum Insektenansiedlung am Lebensturm im Bio-Weinberg RummelBeispiel die Weißweine: Riesling, Burgunder, Silvaner, Gewürztraminer und bei den Rotweinen: Spätburgunder, Dornfelder, Dunkelfelder, Portugieser, Heroldrebe. Er selbst trinkt gerne Rotwein. Ein guter Rotwein muss nicht immer einen hohen Alkoholgehalt haben. Auch Rotweine  mit 11,5 % können einen vollen Geschmack haben.   „Wenn man die Weine gegeneinander probiert – ist Alkohol nicht alles im Leben“ und er erläutert an einem Beispiel: „ Wenn ich beim Kochen eine schlechte Soße produziere und gebe drei Becher Sahne dran, wird sie nicht besser. Sie wird nur opulenter. Alkohol ist ein Geschmacksverstärker. Der Geschmack im Wein kommt aber durch die Trauben.“ Bei ihm müssen sich die Trauben wohl fühlen,  „glückliche und stressfreie Reben“ sind sein Leitmotto und dies erreicht man durch eine den Reben angemessene wohlgestaltete Umgebung.

Mit viel Bodenfruchtbarkeit durch Begrünung versucht er den Boden optimal zu gestalten. Rummel Ackerbohne (Leguminose) im Bio-Weinberg Rummelbetreibt schon 50 Jahre ein intensives Begrünungsmanagement. Zwischen den Reben soll nicht nur Gras wachsen, denn Gras bedeutet Monotonie. Nützlicher sind viele Kräuter. Eine bestimmte Kräutermischung im Weinbau ist nach ihm benannt. Sie heißt „Rummelmischung“ und ist optimal an die Reben angepasst. Begrünung ist sein Steckenpferd. Die Wurzelgemeinschaften müssen gut miteinander harmonisieren. Die Rebwurzel mit der Begrünungswurzel. Damit gibt er der Rebe viel Kraft mit auf den Weg und steigert die ökologische Vielfalt im Boden. Die Kräutermischung enthält verschiedene Kleearten wie Luzerne, Rotklee, Inkarnatklee sowie Fenchel, Pimpernelle, Borretsch, Dill, Koriander, Kümmel, Ringelblume. Dies fördert zunächst die Wurzeleigenschaft im Boden, steigert die Bodenbiologie und hat oberirdischen Einfluss.

Das Weingut Rummel ist Mitglied im Netzwerk „Blühende Landschaften“, eine Kooperation mit Imkern. Lebensturm - Schutz für Igel und InsektenBienen finden weder im Maisfeld noch im Getreide Nahrung. Die klassische Vielfalt, die es früher in der tradierten Landwirtschaft gab, gibt es heute nicht mehr. Das Netzwerk blühende Landschaften versucht in Kooperation mit Landwirten und Winzern mehr Vielfalt in die Natur -  in die Weingärten - zu bringen. „Ich spreche immer von blühenden Weingärten, das ist das, was wir eigentlich brauchen. Das geht einfach mit Begrünungseinsaaten, damit kommt die Vielfalt hinein. Das kostet viel Geld und macht viel Arbeit.  Mir macht das Spaß und es sieht super aus. Dann fliegt draußen viel rum,“  erzählt Rummel gegeistert.

Im Vergleich zum  konventionellen Anbau leben das zehnfache an Tieren und Nützlingen im begrünten Weinberg. Die Raupe des Schwalbenschwanz braucht zum Beispiel den Fenchel.  „Das ist super, wenn ich in den Abendstunden durch meine Weingärten laufe, da ist Leben drin, Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, alles was man so braucht.“

Klaus Rummel hat 27 verschiedene Rebsorten auf 12 ha Weinbergen im Anbau. Davon sind 15 hochaktuelle brandneue Rebsorten, die zum Teil schon markteingeführt sind. Aber es gibt auch viele neue pilzwiderstandsfähige Rebsorten im Anbau von denen es weltweit vielleicht erst 20-30 Rebstöcke gibt. Er hat sich zum Ziel gesetzt die Züchtung neuer pilzwiderstandsfähiger Rebsorten zu unterstützen die kurz PIWIS genannt werden. Er wird von staatlicher Seite dabei mal mehr mal weniger unterstützt und gecoacht. Wenn ein Ertrag in kleiner Menge wie etwa  30-50 Liter anfällt, hilft ihm die Weinbauschule in Neustadt. Sie sind darauf Bio-Weingut Rummel - Züchtung neuer Rebenspezialisiert und haben eine extra kleine Kelter, kleine Fässer und Filter. So wird aus den Trauben der neuen Rebsorten etwas gutes. Die Neuen Rebsorten haben statt Namen nur eine Ziffernabkürzung, weil sie noch in der Vorprüfung und nicht als Rebsorte im Bundessortenamt angemeldet sind.

2009 pflanzt Rummel zwei ganz neue Sorten. Von einer Sorte gibt es in Deutschland erst drei Stöcke. „Wir haben bei uns den Einser, der hat aber eigentlich einen sehr langen Zifferncode. VB 91261, das kann sich jedoch kein Mensch merken. VB steht für den Rebenzüchter Valentin Blattner aus der Schweiz. Die Zahl 91 steht für die Sorte, die 1991 gekreuzt wurde, 26 ist ein Kürzel des Züchters, es ist die Serie 26, und 1 war der 1. Sämling der im Sämlingsfeld 1992 ausgewählt wurde. Der heißt mittlerweile Cabernet blanc,“ erklärt Rumel. Die bisher bekannteste Rebsorte aus der PIWI Reihe ist der Regent, der besonders in den letzten Jahren verstärkt gepflanzt wurde. Für den Weinbau stellen die PIWIS einen Segen dar. Die neuen Reben werden durch Kreuzung mit alten Sorten widerstandsfähig gegen Pilze das die Ausbringung von Spritzmittel und Kupfer überflüssig  werden lässt.

 Der endgültige Durchbruch der PIWIS wäre für Natur- und Landschaftsschutz, aber auch für Winzer und Verbraucher ein Meilenstein in der Geschichte. Der Pilzbefall PIWIS - neue Reben durch Kreuzung mit alten Sortenist unterschiedlich stark und hängt von den Regenmengen ab, denen die Reben ausgesetzt sind. Regnet es in einem Gebiet weniger ist der Pilzbefall der Reben geringer. Regnet es viel spritzen Winzer bis zu 20 mal im Jahr in Europa.

Für sein Engagement im Umweltschutz, die Umsetzung im biologischen Weinbau und für seine unermüdliche Arbeit für „innovative zukunftsweisende Konzepte“ wurde das Weingut Klaus und Susanne Rummel am 28.01.2005 mit dem 1. Platz beim Förderpreis ökologischer Landbau vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz ausgezeichnet. Rummel arbeitet seit Jahren mit der Lehr- und Forschungsanstalt Neustadt an der Weinstraße eng zusammen. In der Züchtung von PIWI-Sorten arbeitet das Weingut mit der Schweizer Rebschule Freytag (Valentin Blattner) zusammen. 40% der Anbaufläche sind mit PIWI-Reben bestockt.

Wer Nußdorf besuchen möchte dem sei besonders zur Feier „Weinerlebnispfad Nussdorf“ am Sonntag Wahrzeichen von Nußdorf und dem Weinerlebnispfad27.September 2009 mit Rundgang durch die Weinberge empfohlen. Vorbei an Kunstwerken regionaler Künstler und Ausschank an der Pergola  mit dem Nußdorfer „Wahrzeichen“ und Signet des Fördervereins Weinerlebnispfad Nussdorf e.V. geschaffen von dem Bildhauer Karlheinz Zwick. Ein weiteres Erlebnis bietet die „Nacht der offenen Keller 2009“ am 2. Oktober ab 18.00 Uhr in Nußdorf. In dieser Nacht öffnen sich für den Besucher 18 Weinkeller  und die ganze Palette des Weingenusses steht für jeden zur Verfügung. Wer an dem Gewinnspiel teilnimmt und gewinnt kann sich sogar in Wein aufwiegen lassen. Bei dieser Veranstaltung der besonderen Art wird gefeiert bis in die frühen Morgenstunden. Wer all dies verpasst  hat kann noch am 1. Dezember an der Feier „den so genannten lebenden Adventskalender“ teilnehmen.

Karl Rummel (Sohn)Kontakt:

Weingut Rummel (Ecovin)
Susanne und Klaus Rummel
Geißelgasse 36
76829 Landau – Nussdorf
Tel. 06341 – 61972
Fax 06341 – 960112
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
http://www.rummel-biowein.de

 

Infos:


Südliche Weinstrasse
http://www.suedlicheweinstrasse.de

Bauernkriegshaus
Öffnungszeiten:
Anfang Mai bis Ende Oktober
Samstags und Sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr
Kontakt und Anmeldung für Führungen
Ortsvorsteherbüro Nußdorf
T 06341 62928
Ansprechpartner:
Hist. Arbeitskreis Nußdorf e. V.
Kirchstraße 66
76829 Landau-Nußdorf
http://www.bauernkriegshaus-nussdorf.de

Nußdorf
http://www.landau-nussdorf.de

Netzwerk blühende Landschaften
http://www.bluehende-landschaft.de

 

 



 

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