200903_Bioland Imkerei Fischer in Wildsachsen Drucken

Alles Bio – Honig, Obstbrände und Wolle aus Hofheim-Wildsachsen



Die Region

Die Bio-Imkerei von Hubertus und Elfriede Fischer liegt in Wildsachsen. Der Ort wurde 1977 in die Stadt Hofheim im Main-Taunus-Kreis eingemeindet und gilt seither mit seinen rund 1.900 Einwohnern als der kleinste Teil der Gemeinde. Wildsachsen schmiegt sich nordwestlich von Hofheim an die Ausläufer des Taunus, in einer Höhe von 260 Metern. 17 km von der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden entfernt ist Wildsachsen über die Autobahn A3 zu erreichen.

Wildsachsen im Taunus Der kleine Ort liegt in einer offenen Wiesen- und Felderstruktur, an Waldrändern und zwischen den Taunusausläufern, malerisch ins Tal des Seyen- und Hollerbachs eingebettet. 1107 wurde Wildsachsen erstmals urkundlich erwähnt. Obstanbau und Landwirtschaft gehörten damals zu den Haupterwerbszweigen. Die Zeit schien dort bis in die 60er Jahre still zu stehen. Die ländlich geprägte Region bot nur wenige Arbeitsplätze, und der Ort war nicht durch öffentliche Verkehrsmittel erschlossen. Erst ab den 70er Jahren stieg die Einwohnerzahl durch die Erschließung größerer Baugebiete und den Anschluss an ein dichteres Verkehrsnetz.

Wie alles anfing

Die Vorfahren von Imker Hubertus Fischer sind seit dem Dreißigjährigen Krieg in Wildsachsen ansässig. Sie waren meist Bürgermeister und Bauern. Nach einem Studium der Pädagogik zog es das Ehepaar RhönschafFischer 1976 in die Heimat zurück. Elfriede Fischer kommt aus einem Nachbarort, beide verbindet die Liebe zur Natur dieser Region. Fischer übernahm die Streuobstwiesen seiner Eltern, womit der Anfang gemacht war. „Wir hatten hier ja nicht nur die Freude zu arbeiten, sondern auch die Pflicht. Wir hatten uns überlegt, das Ganze ökologisch zu machen. Schon vor zwanzig Jahren sind wir passiv in den Bioland-Verband eingetreten, um den ökologischen Gedanken zu unterstützen“, erinnert sich Hubertus Fischer. Es fing alles mit Schafen an. Damals hatte das Ehepaar bis zu 30 Rhön- und Jakobsschafe. Heute ist die Herde wegen der vielen Arbeit auf fünf Tiere verkleinert: einen Bock, ein hochschwangeres Muttertier und drei Lämmer.

Wolle vom Schaf

Schafwolle Gelegentlich muss ein Schaf geschlachtet werden. Das Fell wird dann pflanzlich (vegetabil) gegerbt. Geschoren werden die Schafe nach der Schafskälte von einem ehemaligen Schäfer, der in den Ort kommt. Es gibt im Dorf noch einige andere Schafhalter, damit sich der Einsatz lohnt. Nach der Schur beginnt die Arbeit von Elfriede Fischer. Die Wolle wird in alten Zinkbadewannen gewaschen und im Garten getrocknet. Dazu muss das Wetter mitspielen, denn die im Freien gleichmäßig ausgebreitete Wolle muss im Schatten trocknen. Teile der Wolle werden mit verschiedenen Pflanzenfarben, zum Beispiel  mit Zwiebelschalen oder Birkenblättern, eingefärbt. Das Kämmen der Wolle übernimmt eine Kämmerei. Dadurch werden die Fasern in eine Richtung gebracht, und es gelangt viel Luft hinein. Die Wolle bekommt Elfriede Fischer dann auf dem Flies gekämmt wieder. Nun kann sie die Wolle an einem alten Spinnrad weiterverarbeiten oder filzen. Außer der „Märchenwolle“. Diese zerteilt sie in kleine Portionen und verkauft sie verschiedenfarbig, so dass sie sich Elfriede Fischer im Hofladenbesonders gut zum Basteln eignet.

Das Filzen macht Elfriede Fischer besonders viel Spaß. Aus dem Filz hat sie schon ausgefallene Taschen, Hüte und Schuhe gefertigt – im Wesentlichen nur zu Demonstrationszwecken, um altes Handwerk wieder aufleben zu lassen und um zu zeigen, was man mit Wolle alles machen kann. Wenn mehr Material herauskommt, verkauft sie die Stücke gelegentlich auf Märkten. Doch jeder Verkauf schmerzt sie ein wenig, denn es sind alles Unikate. „Den Preis für die Arbeit kann man nicht bekommen. Es gibt auf dem Markt günstige Filztaschen aus Peru, von den Bergen des Himalaya und aus den verschiedensten Regionen der Erde. Die sind traditionell hergestellt, so schön bunt und unschlagbar billig. Damit kann und will ich auch nicht konkurrieren. Da kann ich sowieso nicht mithalten“, kommentiert Elfriede Fischer ihre Arbeit, die sie mit viel Engagement betreibt. Im Naturschutzhaus Weilbacher Kiesgruben bei Hattersheim gibt sie ihre Kenntnisse in einem Filzkurs an Interessierte weiter.

Der Ertrag der Streuobstwiesen: Schnäpse und Futter für Bienen

Mehr als Hundert Jahre alter Birnbaum Die Streuobstwiesen des Ehepaars Fischer dienen nicht nur den Bienen als Nahrungsgrundlage. Auf zwei Hektar stehen etwa 100 Bäume, darunter ein über hundert Jahre alter Birnbaum. Aus dem ökologischen Obst der Streuobstwiesen entstehen Naturbrände. Es wachsen Zwetschen, Mirabellen, Kirschen, Äpfel, Birnen und Reinecloden, die zu den Pflaumengewächsen gehören. Daraus lässt Hubertus Fischer Schnaps brennen. „Wir machen die Maische, d.h. sie wird im Heizungskeller angesetzt und kann vergären. Wenn sie fertig vergoren ist, lassen wir sie im Odenwald brennen. Er soll gut gebrannt werden, ein weicher Schnaps werden.“ Stolz zeigt Hubertus Fischer auf die Flaschen auf dem Regal, im kleinen Laden in ihrem Wohnhaus. 
Fischers besondere Leidenschaft gilt seiner Bienenzucht. Seit 1992 ist seine Imkerei als Bioland-Betrieb anerkannt. Der Bienenstand steht auf einer Streuobstwiese mit Naturhecken und einem kleinem Teich. Vögeln wird hier mit Nistplätzen Schutz gewährt. Hier, in idyllischer Landschaft, führt auch der Obstwiesenlehrpfad Bremthal/Wildsachsen vorbei. Im Mai findet eine geführte Blütenwanderung statt, und bei der Rast im Garten gibt es zusätzliche Informationen über Bienen und alte Schafsrassen.

 

Wanderimkerei

Hubertus Fischer am Bienenstand „Die Ägypter luden ihre Bienenstöcke schon im Altertum, etwa 3 000 v. Chr., auf ihre Schiffe und fuhren sie immer wieder zu blühenden Feldern“, weiß Fischer. Er versteht sich selbst als Wanderimker. Um Öko-Land zu finden, muss er in Hessen weit fahren. Dazu klappert er den ganzen Umkreis bis ins Rheintal ab. Er fährt mit seinen Bienen nach Groß-Gerau und Friedberg, Bad Schwalbach und Ingelheim. Nur so gewinnt er seine verschiedenen Sorten, und die Ernte wird dabei größer. Er produziert einige hundert Kilo Honig im Jahr, je nach Wetter und je nach Wanderaktivität. Das ist sehr aufwendig, aber auch notwendig. Bliebe er in Wildsachsen, würden seine Bienen schon im Spätsommer verhungern.

Hier gibt es zwar Streuobst, Brombeeren und den Raps, dazu Weiden und noch ein paar Sommerblumen. All das reicht aber längst nicht aus, um die Bienen über den Winter zu bringen. Das Wandern ist nicht nur aus Lust und Laune entstanden. „Wir sind froh, dass unsereBiene auf einer Blüte Öko-Freunde zur Grünlanddüngung Pflanzen anbauen, die auch für Bienen attraktiv sind. Eine schöne Bienenwiese besteht aus Büschelschön (Phacelia), Mohn, verschiedenen Kleearten und vielem mehr. Wir wandern auch auf Bio-Rapsflächen, und auch Fenchel lieben die Bienen“, berichtet Fischer.


Bienenkrankheiten und andere Probleme

Auf die Reise nimmt er immer die Hälfte seiner Bienen mit, die den Winter überlebt haben. Schuld am Bienensterben ist nicht die lange Kälte, die im Innern des Bienenstocks nichts ausrichten kann. In der Bienentraube herrschen immer 30-32° Grad, um die Königin warm zu halten. Wenn es sehr lange kalt ist, können die Bienen zwar nicht zum Abkoten ausfliegen, doch dieses Problem gab es schon immer. Geschwächt werden die Bienen durch die vielen Krankheiten, die mit der Bienenzucht generell verbunden sind. Das, was den Bienen zusetzt, ist der Einsatz von  Insektiziden, Pestiziden und Gentechnik - das ganze konventionelle landwirtschaftliche Umfeld.

Immunabwehr stärken

Biene sammelt Pollen Die Immunabwehr der Bienen wird am besten durch blühende Landschaften gestärkt. Dazu müssen Landwirte und Kommunen die Wegeränder blühen lassen. Mit Pflanzen, die für unser Auge schön sind und den Bienen als Weide dienen. Wenn aber die Landschaft durch Monokulturen aufgeräumt wird und Hecken wie Büsche fehlen, dann finden die Bienen nichts mehr. Die Bienen fliegen zum ausgeblühten Raps, und das war’s dann. Falls am Wegrand noch wilder Senf wächst, der womöglich bereits genverändert ist, tragen die Bienen nur vergiftete Pollen ein. Einige seiner Bienenvölker sind stationär auf dem Feld eines befreundeten Bio-Betriebes in Ingelheim, auch über den Winter. Hier finden die Bienen ausreichend Nahrung.

Spezialisierung der Bienen

Ein Bienenvolk ist in seiner Ernährung hoch spezialisiert. Fischer sieht die Zukunft der Bienen sehr kritisch. Ihr winziges Gehirn ist so programmiert, dass sie eine Zeichensprache entwickelt haben, mit deren Hilfe sie sich mitteilen, wo sie was finden. Ihre Entwicklung erhöhte jedoch nicht die Toleranz gegenüber Giften. Schon auf kleine Mengen reagieren sie extrem sensibel. Selbst wenn Sie nicht sterben, verlieren sie ihre Fähigkeit, sich orientieren zu können, und kommen nicht mehr zurück. Sie haben sich spezialisiert auf Futtersuche,  Futtereintragen, Bienensprachen, Bienentanz, dabei aber keine Resistenz gegen unsere schlimmen Gifte entwickelt. Auch deswegen ist die Gefahr groß, dass sie aussterben.

Der größte Feind – die Varroa-Milbe

Biene im Flug Mitte bis Ende der 70er Jahre kam es in Deutschen Bienenstöcken zu einem Massensterben. Damals wurden asiatische Bienen zu Versuchszwecken nach Deutschland geholt und mit ihnen auch die Varroa-Milbe eingeschleppt. Inzwischen ist die Milbe überall in Europa. Normalerweise tötet eine Milbe nicht ihren Wirt, da sie ja überleben will. Die Milbe saugt der Biene die Hämolymphe, das Blut aus. Das geschieht schon an der werdenden Biene in der Brut, im Winter, während  die Immunabwehr der Biene nicht so stark ist wie im Sommer. Die Biene kann sich nicht entwickeln und  kommt verkrüppelt zur Welt. Dabei wird  ein ganzes Volk zerstört.

Gegen diesen Befall gibt es anorganische und organische Mittel. In der ökologischen Imkerei  wird Ameisen-, Milch- und Oxalsäure verwendet. Das sind organische Säuren, die ökologisch abbaubar sind. Biene sammelt NektarGegen die herkömmlichen Mittel ist die Varroa-Milbe mittlerweile resistent. Ein hundertprozentig wirksames Gegenmittel gibt es bislang noch nicht. So wird die giftige Dosis weiter erhöht, und dieses Gift lässt sich als Rückstände im Honig nachweisen.

Bio-Wachs und Bio-Honig – ohne Befund

In Fischers Bio-Honig finden sich nachweislich keine Rückstände. Honig und Wachs werden regelmäßig vom Bioland-Verband kontrolliert. Am Wachs kann man zuerst erkennen, ob ein Honig belastet ist. Fischer hat seinen eigenen Wachskreislauf. Seine Proben werden von Wissenschaftlern der Universität Stuttgart-Hohenheim getestet. Sie haben sich in Deutschland auf diese Verfahren spezialisiert. Das Ergebnis seiner Untersuchung lautet immer: „ohne Rückstände“. Unbelastetes Wachs ist ausgesprochen selten zu bekommen. Danach gibt es weltweit einen hohen Bedarf. Der geringe Überschuss an Bio-Wachs wird von der KosmetikindustrieRahmen mit eigenem Wachs verwendet.

Hubertus Fischer sammelt das Wachs für den eigenen Gebrauch und verwendet nur übriges für Kerzen. Das Wachs lässt er gewöhnlich nicht älter als zwei Jahre werden, wonach es in seinen eigenen Kreislauf eingeht. Er schmilzt es mit einem kleinen Wachsschmelzer und schickt es zum Weiterbearbeiten ein. Das Wachs wird wieder in die so genannten Mittelwände geschmolzen und damit den Bienen für ihre Arbeit erneut ein Anfang geboten. Sein Wachs ist ein anerkanntes Bio-Wachs ohne Rückstände.

Reines, von Pestiziden und Insektiziden unbelastetes Wachs ist auf dem Markt kaum noch zu bekommen. Ein Wissenschaftler aus Stuttgart Hohenheim hatte die Bio-Imker in den Anfangsjahren begleitet, nachdem 1992 die erste Bioland-Sitzung stattgefunden hatte und die ersten Bioland-Imkereien gegründet worden waren. Damals gab es Versuche mit Wachs-Chargen, die im Ausland gekauft wurden. Darin fand man auch das Gift E 605, das hier verboten ist.  

Hubertus Fischers wichtigste von insgesamt 12 Kriterien für seine ökologische Bienenhaltung:

Hubertus Fischer mit Wildbienenhotel 1. Fernhalten der Bienen von konventionellen Flächen. Er redet mit den Bauern im Umfeld über das, was sie spritzen etc. Ansonsten wandert er mit seinen Bienenstöcken auf ökologische Flächen. Bienen fliegen meist in dem Areal, wo sie auch stehen. Sie sind artentreu und fliegen von einem Apfelbaum zum nächsten und nicht vom Apfel zur Birne und zum Raps. Wenn das Angebot attraktiv ist, fliegen sie nicht weg.

2. Kontrollen von Rückständen im Honig und Wachs müssen jährlich von einem Labor durchgeführt werden.

 3. Eigener Wachskreislauf: Kein fremdes Wachs kaufen, sondern das eigene Wachs für die Rahmen wieder verwenden.

                                              

Ökologische Streuobstwiese 4. Nur Naturkästen verwenden. Sie müssen aus Naturholz und dürfen nicht aus Styropor sein. Kleine Metallaufsätze sind erlaubt. Der Kasten muss aus natürlichem Material bestehen und darf nur mit Bio-Farben gestrichen sein. Chemische Farben können in das Volk und in den Honig diffundieren. 

 
5. Nur organische Mittel gegen die Milben verwenden.


Umstellung auf Bio-Imkerei


„Wir Bio-Imker tun nichts, um den Schaden in der Natur zu vergrößern. Wir sind aufgerufen, den schon entstandenen Schaden zu minimieren“, lautet Hubertus Fischers Philosophie. Er sieht die größte Biene auf NahrungssucheSchwierigkeit für Bio-Imker-Neulinge in der Wachsumstellung. Ein zukünftiger Bio-Imker muss sein altes, belastetes Wachs durch Bio-Wachs ersetzen. Daran scheitern die meisten. Zur Umstellung hat man drei Jahre. Nach und nach muss der Imker den Bienen das Wachs wegnehmen, aber auch nicht zu langsam, weil sie das Wachs von der einen auf die andere Wabe übertragen. Unerlässlich findet Fischer eine ständige Vorsicht: „Man muss aufpassen, dass von außen nichts an das Wachs im Inneren gerät, das nicht von den eigenen Bienen ist.“ Gefüttert wird mit Bio-Zucker.

Verkauf und Vertrieb

Alle ökologischen Produkte, ob vom Schaf, den Streuobstwiesen oder den Bienen, werden im Hofladen oder auf Märkten verkauft, der Honig überwiegend im Hofladen. Geringe Mengen an Honig bekommen bestimmte Bioläden. „Wir können den Bedarf an Bio-Honig nicht erfüllen. Wir sind schon seit Anfang Dezember 2008 ausverkauft“, Hofladen konstatiert Fischer bedauernd.
Besonders gerne fahren Hubertus und Elfriede Fischer zum Ökomarkt in Lindenfels, dem alljährlichen größten Ökomarkt Hessens. 2009 findet er am 6. September statt. Die Fischers bieten ihre Waren auch auf Dorffesten und -jubiläen an, wo altes Handwerk gezeigt wird, wie zum Beispiel 2009 anlässlich von „700 Jahren Langenhain“. Dann kommt Elfriede Fischer mit Spinnrad und Handspindel, um ihre traditionelle Arbeitsweise zu präsentieren. Gelegentlich stellt auch Hubertus Fischer mit einem Demonstrationskasten das interessante Leben der Bienen vor.


 

 

Kontakt:

Ökologische Imkerei und Obstbau Fischer (Bioland)
An den Erzgruben 13
D-65719 Hofheim-Wildsachsen
T + F: +49 (0)6198-2386
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
http://www.bioimkerei-fischer.de

Info:

Ökomarkt in Lindenfels
http://www.jahrmaerkte-in-deutschland.de/oekomarkt-in-lindenfels.html


 

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