Alles Bio – Honig, Obstbrände und Wolle aus Hofheim-Wildsachsen
Die Region
Die Bio-Imkerei von Hubertus und Elfriede Fischer liegt in Wildsachsen.
Der Ort wurde 1977 in die Stadt Hofheim im Main-Taunus-Kreis
eingemeindet und gilt seither mit seinen rund 1.900 Einwohnern als der
kleinste Teil der Gemeinde. Wildsachsen schmiegt sich nordwestlich von
Hofheim an die Ausläufer des Taunus, in einer Höhe von 260 Metern. 17
km von der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden entfernt ist
Wildsachsen über die Autobahn A3 zu erreichen.
Der kleine Ort liegt in einer offenen Wiesen- und Felderstruktur, an
Waldrändern und zwischen den Taunusausläufern, malerisch ins Tal des
Seyen- und Hollerbachs eingebettet. 1107 wurde Wildsachsen erstmals
urkundlich erwähnt. Obstanbau und Landwirtschaft gehörten damals zu den
Haupterwerbszweigen. Die Zeit schien dort bis in die 60er Jahre still
zu stehen. Die ländlich geprägte Region bot nur wenige Arbeitsplätze,
und der Ort war nicht durch öffentliche Verkehrsmittel erschlossen.
Erst ab den 70er Jahren stieg die Einwohnerzahl durch die Erschließung
größerer Baugebiete und den Anschluss an ein dichteres Verkehrsnetz.
Wie alles anfing
Die Vorfahren von Imker Hubertus Fischer sind seit dem Dreißigjährigen
Krieg in Wildsachsen ansässig. Sie waren meist Bürgermeister und
Bauern. Nach einem Studium der Pädagogik zog es das Ehepaar Fischer
1976 in die Heimat zurück. Elfriede Fischer kommt aus einem Nachbarort,
beide verbindet die Liebe zur Natur dieser Region. Fischer übernahm die
Streuobstwiesen seiner Eltern, womit der Anfang gemacht war. „Wir
hatten hier ja nicht nur die Freude zu arbeiten, sondern auch die
Pflicht. Wir hatten uns überlegt, das Ganze ökologisch zu machen. Schon
vor zwanzig Jahren sind wir passiv in den Bioland-Verband eingetreten,
um den ökologischen Gedanken zu unterstützen“, erinnert sich Hubertus
Fischer. Es fing alles mit Schafen an. Damals hatte das Ehepaar bis zu
30 Rhön- und Jakobsschafe. Heute ist die Herde wegen der vielen Arbeit
auf fünf Tiere verkleinert: einen Bock, ein hochschwangeres Muttertier
und drei Lämmer.
Wolle vom Schaf
Gelegentlich muss ein Schaf geschlachtet werden. Das Fell wird dann
pflanzlich (vegetabil) gegerbt. Geschoren werden die Schafe nach der
Schafskälte von einem ehemaligen Schäfer, der in den Ort kommt. Es gibt
im Dorf noch einige andere Schafhalter, damit sich der Einsatz lohnt.
Nach der Schur beginnt die Arbeit von Elfriede Fischer. Die Wolle wird
in alten Zinkbadewannen gewaschen und im Garten getrocknet. Dazu muss
das Wetter mitspielen, denn die im Freien gleichmäßig ausgebreitete
Wolle muss im Schatten trocknen. Teile der Wolle werden mit
verschiedenen Pflanzenfarben, zum Beispiel mit Zwiebelschalen
oder Birkenblättern, eingefärbt. Das Kämmen der Wolle übernimmt eine
Kämmerei. Dadurch werden die Fasern in eine Richtung gebracht, und es
gelangt viel Luft hinein. Die Wolle bekommt Elfriede Fischer dann auf
dem Flies gekämmt wieder. Nun kann sie die Wolle an einem alten
Spinnrad weiterverarbeiten oder filzen. Außer der „Märchenwolle“. Diese
zerteilt sie in kleine Portionen und verkauft sie verschiedenfarbig, so
dass sie sich besonders gut zum Basteln eignet.
Das Filzen macht Elfriede Fischer besonders viel Spaß. Aus dem Filz hat
sie schon ausgefallene Taschen, Hüte und Schuhe gefertigt – im
Wesentlichen nur zu Demonstrationszwecken, um altes Handwerk wieder
aufleben zu lassen und um zu zeigen, was man mit Wolle alles machen
kann. Wenn mehr Material herauskommt, verkauft sie die Stücke
gelegentlich auf Märkten. Doch jeder Verkauf schmerzt sie ein wenig,
denn es sind alles Unikate. „Den Preis für die Arbeit kann man nicht
bekommen. Es gibt auf dem Markt günstige Filztaschen aus Peru, von den
Bergen des Himalaya und aus den verschiedensten Regionen der Erde. Die
sind traditionell hergestellt, so schön bunt und unschlagbar billig.
Damit kann und will ich auch nicht konkurrieren. Da kann ich sowieso
nicht mithalten“, kommentiert Elfriede Fischer ihre Arbeit, die sie mit
viel Engagement betreibt. Im Naturschutzhaus Weilbacher Kiesgruben bei
Hattersheim gibt sie ihre Kenntnisse in einem Filzkurs an Interessierte
weiter.
Der Ertrag der Streuobstwiesen: Schnäpse und Futter für Bienen
Die Streuobstwiesen des Ehepaars Fischer dienen nicht nur den Bienen
als Nahrungsgrundlage. Auf zwei Hektar stehen etwa 100 Bäume, darunter
ein über hundert Jahre alter Birnbaum. Aus dem ökologischen Obst der
Streuobstwiesen entstehen Naturbrände. Es wachsen Zwetschen,
Mirabellen, Kirschen, Äpfel, Birnen und Reinecloden, die zu den
Pflaumengewächsen gehören. Daraus lässt Hubertus Fischer Schnaps
brennen. „Wir machen die Maische, d.h. sie wird im Heizungskeller
angesetzt und kann vergären. Wenn sie fertig vergoren ist, lassen wir
sie im Odenwald brennen. Er soll gut gebrannt werden, ein weicher
Schnaps werden.“ Stolz zeigt Hubertus Fischer auf die Flaschen auf dem
Regal, im kleinen Laden in ihrem Wohnhaus.
Fischers besondere Leidenschaft gilt seiner Bienenzucht. Seit 1992 ist
seine Imkerei als Bioland-Betrieb anerkannt. Der Bienenstand steht auf
einer Streuobstwiese mit Naturhecken und einem kleinem Teich. Vögeln
wird hier mit Nistplätzen Schutz gewährt. Hier, in idyllischer
Landschaft, führt auch der Obstwiesenlehrpfad Bremthal/Wildsachsen
vorbei. Im Mai findet eine geführte Blütenwanderung statt, und bei der
Rast im Garten gibt es zusätzliche Informationen über Bienen und alte
Schafsrassen.
Wanderimkerei
„Die Ägypter luden ihre Bienenstöcke schon im Altertum, etwa 3 000 v.
Chr., auf ihre Schiffe und fuhren sie immer wieder zu blühenden
Feldern“, weiß Fischer. Er versteht sich selbst als Wanderimker. Um
Öko-Land zu finden, muss er in Hessen weit fahren. Dazu klappert er den
ganzen Umkreis bis ins Rheintal ab. Er fährt mit seinen Bienen nach
Groß-Gerau und Friedberg, Bad Schwalbach und Ingelheim. Nur so gewinnt
er seine verschiedenen Sorten, und die Ernte wird dabei größer. Er
produziert einige hundert Kilo Honig im Jahr, je nach Wetter und je
nach Wanderaktivität. Das ist sehr aufwendig, aber auch notwendig.
Bliebe er in Wildsachsen, würden seine Bienen schon im Spätsommer
verhungern.
Hier gibt es zwar Streuobst, Brombeeren und den Raps, dazu Weiden und
noch ein paar Sommerblumen. All das reicht aber längst nicht aus, um
die Bienen über den Winter zu bringen. Das Wandern ist nicht nur aus
Lust und Laune entstanden. „Wir sind froh, dass unsere Öko-Freunde zur
Grünlanddüngung Pflanzen anbauen, die auch für Bienen attraktiv sind.
Eine schöne Bienenwiese besteht aus Büschelschön (Phacelia), Mohn,
verschiedenen Kleearten und vielem mehr. Wir wandern auch auf
Bio-Rapsflächen, und auch Fenchel lieben die Bienen“, berichtet
Fischer.
Bienenkrankheiten und andere Probleme
Auf die Reise nimmt er immer die Hälfte seiner Bienen mit, die den
Winter überlebt haben. Schuld am Bienensterben ist nicht die lange
Kälte, die im Innern des Bienenstocks nichts ausrichten kann. In der
Bienentraube herrschen immer 30-32° Grad, um die Königin warm zu
halten. Wenn es sehr lange kalt ist, können die Bienen zwar nicht zum
Abkoten ausfliegen, doch dieses Problem gab es schon immer. Geschwächt
werden die Bienen durch die vielen Krankheiten, die mit der Bienenzucht
generell verbunden sind. Das, was den Bienen zusetzt, ist der Einsatz
von Insektiziden, Pestiziden und Gentechnik - das ganze
konventionelle landwirtschaftliche Umfeld.
Immunabwehr stärken
Die Immunabwehr der Bienen wird am besten durch blühende Landschaften
gestärkt. Dazu müssen Landwirte und Kommunen die Wegeränder blühen
lassen. Mit Pflanzen, die für unser Auge schön sind und den Bienen als
Weide dienen. Wenn aber die Landschaft durch Monokulturen aufgeräumt
wird und Hecken wie Büsche fehlen, dann finden die Bienen nichts mehr.
Die Bienen fliegen zum ausgeblühten Raps, und das war’s dann. Falls am
Wegrand noch wilder Senf wächst, der womöglich bereits genverändert
ist, tragen die Bienen nur vergiftete Pollen ein. Einige seiner
Bienenvölker sind stationär auf dem Feld eines befreundeten
Bio-Betriebes in Ingelheim, auch über den Winter. Hier finden die
Bienen ausreichend Nahrung.
Spezialisierung der Bienen
Ein Bienenvolk ist in seiner Ernährung hoch spezialisiert. Fischer
sieht die Zukunft der Bienen sehr kritisch. Ihr winziges Gehirn ist so
programmiert, dass sie eine Zeichensprache entwickelt haben, mit deren
Hilfe sie sich mitteilen, wo sie was finden. Ihre Entwicklung erhöhte
jedoch nicht die Toleranz gegenüber Giften. Schon auf kleine Mengen
reagieren sie extrem sensibel. Selbst wenn Sie nicht sterben, verlieren
sie ihre Fähigkeit, sich orientieren zu können, und kommen nicht mehr
zurück. Sie haben sich spezialisiert auf Futtersuche,
Futtereintragen, Bienensprachen, Bienentanz, dabei aber keine Resistenz
gegen unsere schlimmen Gifte entwickelt. Auch deswegen ist die Gefahr
groß, dass sie aussterben.
Der größte Feind – die Varroa-Milbe
Mitte bis Ende der 70er Jahre kam es in Deutschen Bienenstöcken zu
einem Massensterben. Damals wurden asiatische Bienen zu Versuchszwecken
nach Deutschland geholt und mit ihnen auch die Varroa-Milbe
eingeschleppt. Inzwischen ist die Milbe überall in Europa.
Normalerweise tötet eine Milbe nicht ihren Wirt, da sie ja überleben
will. Die Milbe saugt der Biene die Hämolymphe, das Blut aus. Das
geschieht schon an der werdenden Biene in der Brut, im Winter,
während die Immunabwehr der Biene nicht so stark ist wie im
Sommer. Die Biene kann sich nicht entwickeln und kommt
verkrüppelt zur Welt. Dabei wird ein ganzes Volk zerstört.
Gegen diesen Befall gibt es anorganische und organische Mittel. In der
ökologischen Imkerei wird Ameisen-, Milch- und Oxalsäure
verwendet. Das sind organische Säuren, die ökologisch abbaubar sind.
Gegen die herkömmlichen Mittel ist die Varroa-Milbe mittlerweile
resistent. Ein hundertprozentig wirksames Gegenmittel gibt es bislang
noch nicht. So wird die giftige Dosis weiter erhöht, und dieses Gift
lässt sich als Rückstände im Honig nachweisen.
Bio-Wachs und Bio-Honig – ohne Befund
In Fischers Bio-Honig finden sich nachweislich keine Rückstände. Honig
und Wachs werden regelmäßig vom Bioland-Verband kontrolliert. Am
Wachs kann man zuerst erkennen, ob ein Honig belastet ist. Fischer hat
seinen eigenen Wachskreislauf. Seine Proben werden von Wissenschaftlern
der Universität Stuttgart-Hohenheim getestet. Sie haben sich in
Deutschland auf diese Verfahren spezialisiert. Das Ergebnis seiner
Untersuchung lautet immer: „ohne Rückstände“. Unbelastetes Wachs ist
ausgesprochen selten zu bekommen. Danach gibt es weltweit einen hohen
Bedarf. Der geringe Überschuss an Bio-Wachs wird von der
Kosmetikindustrie verwendet.
Hubertus Fischer sammelt das Wachs für den eigenen Gebrauch und
verwendet nur übriges für Kerzen. Das Wachs lässt er gewöhnlich nicht
älter als zwei Jahre werden, wonach es in seinen eigenen Kreislauf
eingeht. Er schmilzt es mit einem kleinen Wachsschmelzer und schickt es
zum Weiterbearbeiten ein. Das Wachs wird wieder in die so genannten
Mittelwände geschmolzen und damit den Bienen für ihre Arbeit erneut ein
Anfang geboten. Sein Wachs ist ein anerkanntes Bio-Wachs ohne
Rückstände.
Reines, von Pestiziden und Insektiziden unbelastetes Wachs ist auf dem
Markt kaum noch zu bekommen. Ein Wissenschaftler aus Stuttgart
Hohenheim hatte die Bio-Imker in den Anfangsjahren begleitet, nachdem
1992 die erste Bioland-Sitzung stattgefunden hatte und die ersten
Bioland-Imkereien gegründet worden waren. Damals gab es Versuche mit
Wachs-Chargen, die im Ausland gekauft wurden. Darin fand man auch das
Gift E 605, das hier verboten ist.
Hubertus Fischers wichtigste von insgesamt 12 Kriterien für seine ökologische Bienenhaltung:
1. Fernhalten der Bienen von konventionellen Flächen. Er redet mit den
Bauern im Umfeld über das, was sie spritzen etc. Ansonsten wandert er
mit seinen Bienenstöcken auf ökologische Flächen. Bienen fliegen meist
in dem Areal, wo sie auch stehen. Sie sind artentreu und fliegen von
einem Apfelbaum zum nächsten und nicht vom Apfel zur Birne und zum
Raps. Wenn das Angebot attraktiv ist, fliegen sie nicht weg.
2. Kontrollen von Rückständen im Honig und Wachs müssen jährlich von einem Labor durchgeführt werden.
3. Eigener Wachskreislauf: Kein fremdes Wachs kaufen, sondern das eigene Wachs für die Rahmen wieder verwenden.
4. Nur Naturkästen verwenden. Sie müssen aus Naturholz und dürfen nicht
aus Styropor sein. Kleine Metallaufsätze sind erlaubt. Der Kasten muss
aus natürlichem Material bestehen und darf nur mit Bio-Farben
gestrichen sein. Chemische Farben können in das Volk und in den Honig
diffundieren.
5. Nur organische Mittel gegen die Milben verwenden.
Umstellung auf Bio-Imkerei
„Wir Bio-Imker tun nichts, um den Schaden in der Natur zu vergrößern.
Wir sind aufgerufen, den schon entstandenen Schaden zu minimieren“,
lautet Hubertus Fischers Philosophie. Er sieht die größte Schwierigkeit
für Bio-Imker-Neulinge in der Wachsumstellung. Ein zukünftiger
Bio-Imker muss sein altes, belastetes Wachs durch Bio-Wachs ersetzen.
Daran scheitern die meisten. Zur Umstellung hat man drei Jahre. Nach
und nach muss der Imker den Bienen das Wachs wegnehmen, aber auch nicht
zu langsam, weil sie das Wachs von der einen auf die andere Wabe
übertragen. Unerlässlich findet Fischer eine ständige Vorsicht: „Man
muss aufpassen, dass von außen nichts an das Wachs im Inneren gerät,
das nicht von den eigenen Bienen ist.“ Gefüttert wird mit Bio-Zucker.
Verkauf und Vertrieb
Alle ökologischen Produkte, ob vom Schaf, den Streuobstwiesen oder den
Bienen, werden im Hofladen oder auf Märkten verkauft, der Honig
überwiegend im Hofladen. Geringe Mengen an Honig bekommen bestimmte
Bioläden. „Wir können den Bedarf an Bio-Honig nicht erfüllen. Wir sind
schon seit Anfang Dezember 2008 ausverkauft“, konstatiert Fischer
bedauernd.
Besonders gerne fahren Hubertus und Elfriede Fischer zum Ökomarkt in
Lindenfels, dem alljährlichen größten Ökomarkt Hessens. 2009 findet er
am 6. September statt. Die Fischers bieten ihre Waren auch auf
Dorffesten und -jubiläen an, wo altes Handwerk gezeigt wird, wie zum
Beispiel 2009 anlässlich von „700 Jahren Langenhain“. Dann kommt
Elfriede Fischer mit Spinnrad und Handspindel, um ihre traditionelle
Arbeitsweise zu präsentieren. Gelegentlich stellt auch Hubertus Fischer
mit einem Demonstrationskasten das interessante Leben der Bienen vor.
Kontakt:
Ökologische Imkerei und Obstbau Fischer (Bioland)
An den Erzgruben 13
D-65719 Hofheim-Wildsachsen
T + F: +49 (0)6198-2386
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http://www.bioimkerei-fischer.de