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200812_Bioland Hof-Felchner in Mülheim an der Ruhr Drucken

Himbeeren, Cafe und Musik, dazu das Wiehern der Pferde

Felchnerhof in Mülheim an der RuhrUnser Hofladenporträt des Monats Dezember führt zu einem Betrieb, dessen Link anzuklicken sich auf jeden Fall lohnt, denn mit Biolandwirt Klaus Felchner und seiner Frau Monika treffen wir auf erstaunliche Multitasker. Bereits in der fünften Generation wird der nach alter Flurbezeichnung "Kremer auf der Heidt", heute "Biohof Felchner" genannte Hof in Mühlheim an der Ruhr bewirtschaftet.

Man befindet sich hier auf historischem Terrain: Das Fachwerkwohnhaus wurde im Jahre 1772 errichtet. Monika Felchners Vorfahr Heinrich Grawenhoff erwarb 1896 das Haus nebst Umland als Entschädigung für seinen bisherigen Hof in Gelsenkirchen-Hessler, den er wegen des Bergbaus aufgeben musste. Mit Bruchsteinen aus dem auf seinem Grundstück gelegenen Steinbruch, der bis heute im Volksmund "Galgenhof" heißt, errichtete er zum Betreiben von Ackerbau und Viehzucht zunächst eine Scheune, später weitere Gebäude. Der Hof hat eine wunderschöne Lage oberhalb des Mülheimer Ruhrtales.

Klaus und Monika FelchnerAls das Ehepaar Felchner den Betrieb 1993 übernahm, stellte es die mehr als zehn Hektar von der bisher traditionellen landwirtschaftlichen auf ökologische Nutzung um – nach den Richtlinien von Bioland. Der Betrieb spezialisierte sich mehr auf den Obst- und Gemüseanbau und ist mittlerweile sozusagen "beerenlastig." Gleichwohl werden auf 1,5 Hektar drei Sorten Kartoffeln gezogen, eine frühe und zwei späte Sorten. Hier kann man erfahren, was eine gute Kartoffel ausmacht: Sollte sich beim Kartoffelkochen Schaum am Topfrand bilden oder die Kartoffel sogar unangenehm riechen, ist dies auf eine Überdüngung der Anbaufläche mit Stickstoff zurückzuführen. Auch sollten Kartoffeln am besten mit erdiger Schale verkauft werden, weil sie dadurch besser vor dem Weichwerden geschützt sind. Auf Keimhemmmittel bei der Lagerung verzichtet der Biohof natürlich. Als Gemüse werden vor allem Tomaten, Paprika, Gurken (saisonal) und Feldsalat (über den ganzen Winter) angebaut. Die auf den Plantagen zur Befruchtung dienenden Bienenvölker liefern zudem Honig, der ebenfalls zum Verkauf steht.

Hofladen FelchnerhofDer Schwerpunkt des Obstanbaus liegt beim Biohof Felchner, wie gesagt, auf Beerenkulturen. Himbeeren und Erdbeeren gedeihen unter Folie, da sie empfindlich gegen Witterungseinflüsse sind, anders als Johannisbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren, die im Freiland wachsen. Die Himbeerernte erfolgt von Juni bis zum ersten Frost im Herbst. Aus überreifen Beeren werden leckere Konfitüren hergestellt, die man im Hofladen erwerben kann.
 
Der Hofladen dient der Direktvermarktung dieser Produkte aus Eigenanbau. Darüber hinaus gilt Familie Felchners Motto "Genuss und Kommunikation". So kann sich der Kunde nach dem Einkauf am Samstag (das Geschäft hat freitags von 13 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 13 Uhr geöffnet) im Cafe in der alten Scheune mit köstlichen Kuchen und Torten verwöhnen lassen. Auch am Sonntag lohnt sich der Ausflug hierher, um die aromatischen Beeren des Sommers auch im Winter, nachdem sie zuvor gefrostet worden waren, als Fellerband auf dem FelchnerhofKuchenbelag wiederzufinden. Diese Kombination aus Einkauf und anschließendem Cafebesuch am Wochenende kommt bei vielen Kunden sehr gut an und bildet zur Freude der Felchners vielfach eine feste Einheit. Ihnen lag es am Herzen, den Hof nicht nach außen hin abzuschotten, wie das zumeist üblich ist, sondern im Gegenteil als Begegnungsstätte zu gestalten. Der Erfolg gibt ihnen Recht.

Da der Obstanbau ein Saisongeschäft ist, findet Klaus Felchner vom Herbst an mehr Zeit für seine zweite große Leidenschaft –  als Musiker der von ihm gegründeten "fellerband", der neben Ehefrau Monika einige alte Freunde und Profimusiker angehören. So wird die alte Scheune neben ihrer Funktion als Cafe mehrmals im Jahr zum Konzertsaal, der Bauer greift zur Gitarre und spielt mit seiner Band von ihm selbst komponierte und getextete Stücke im Stil der siebziger Jahre, rockig, mit Blues- und Countryeinschlag, auch mit kritischen Texten. Dabei gelingt es der Gruppe mühelos, ihr Publikum zweieinhalb Stunden zu unterhalten. CDs dieser Musik wurden bereits im Himbeeren frisch vom Felchnerhofeigenen Tonstudio eingespielt und veröffentlicht.

Wer sich für die Arbeit auf diesem Biohof interessiert, kann gerne an einer der Führungen teilnehmen, die das Ehepaar Felchner anbietet. Dabei kümmert sich Monika Felchner meist um die jüngeren, Klaus Felchner um die älteren Besucher, etwa Seniorengruppen.

Ein weiteres Beispiel für die Aufgeschlossenheit der Hofbetreiber ist die im Jahr 2006 von der NRZ (Neue Rhein Zeitung) zu ihrem 60jährigen Jubiläum organisierte "Zeitreise" in das Ersterscheinungsjahr der Zeitung. Jeweils sechs Leser hatten die Möglichkeit, sich insgesamt viermal in die Zeit von 1946 „zurückbeamen“ zu lassen und sich als" Knechte "und "Mägde" auf dem Felchnerhof zu verdingen. Dort pflückten sie mit der Hand Himbeeren und Brombeeren von mannshohen Sträuchern, halfen beim Obstbaumschnitt und haben in den alten Räumen teilweise fürchterlich gefroren, wie sich Klaus Felchner erinnert. Trotzdem gefiel diese Reiten auf dem FelchnerhofAktion den Teilnehmern sehr gut, und einige von ihnen halten bis heute Kontakt zu ihrem "Bauern".

Neben der Großfamilie Felchner, bestehend aus Oma und Opa, den Eltern und drei Kindern, haben auch Vierbeiner auf dem Biohof ein Zuhause gefunden. Es gibt hier Boxen, Offenställe, eine kleine Reithalle, einen Reitplatz und ein reizvolles Ausreitgelände in das Mülheimer Ruhrtal. Die Dipl. Pädagogin und Reitlehrerin Manuela Grötschel bietet hier für Kinder pädagogisches Reiten und Rai-Reiten, eine im Umgang mit Pferden besonders sensible und schmerzfreie Form des Reitens, an.

Der Felchnerhof offeriert also ein breites Spektrum an Aktivitäten. Einen Besuch sollte man sich nicht entgehen lassen, und wenn das nicht so einfach oder bald möglich ist, dann zumindest virtuell!


Kontakt:

Bioland-Hof Felchner
Klaus und Monika Felchner
Bollenberg 74
45470 Mülheim an der Ruhr
T 0208/371577
F 0208/3773550
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
http://www.biohof-felchner.de

Hofladen Öffnungszeiten:

Freitag: 13-18 Uhr
Samstag: 8-13 Uhr

Cafe Öffnungszeit:

Sonntag: 12-18 Uhr

 



 

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